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	<title>Affiliate-Interviews &#187; Jeff Molander</title>
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	<description>Fachgespräche zu Partnerprogrammen mit Leuten aus der Affiliate-Szene</description>
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		<title>Interview: Jeff Molander und Ben Edelman zu Adware und 180solutions</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Aug 2006 17:29:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Windfelder</dc:creator>
				<category><![CDATA[Adware]]></category>
		<category><![CDATA[Interview mit Affiliate]]></category>
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		<description><![CDATA[Ben Edelman und Jeff Molander Wenn es darum geht, welche Auswirkungen Adware auf das Affiliate Marketing hat, kommt man an Ben Edelman nicht vorbei. Der Amerikaner ist angehender Harvard-Jurist und untersucht seit Jahren die Auswirkungen von Adware und Spyware wissenschaftlich. Ausf&#252;hrliche Informationen zu Ben Edelmans Arbeit findet man auf benedelman.org Jeff Molander ist Berater in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.100partnerprogramme.de/images/ben-jeff.jpg" alt="" /></p>
<p><span style="font-style: italic">Ben Edelman und Jeff Molander</span></p>
<p>Wenn es darum geht, welche Auswirkungen Adware auf das Affiliate Marketing hat, kommt man an Ben Edelman nicht vorbei. Der Amerikaner ist angehender Harvard-Jurist und untersucht seit Jahren die Auswirkungen von Adware und Spyware wissenschaftlich.</p>
<p>Ausf&#252;hrliche Informationen zu Ben Edelmans Arbeit findet man auf <a href="http://www.benedelman.org/">benedelman.org</a></p>
<p>Jeff Molander ist Berater in Investmentfragen im Online-Marketing-Bereich. Er hat Ben Edelman Anfang 2006 zum Thema Adware und 180solutions interviewt. Beide haben mir ihr Einverst&#228;ndnis erteilt, Ausz&#252;ge aus diesem sehr interessanten Interview zu ver&#246;ffentlichen. Das komplette Original-Interview finden Sie auf <a href="http://www.thoughtshapers.com/">www.ThoughtShapers.com</a></p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Man kann heute in der Online Werbebranche nirgendwo mehr hinschauen, ohne die Begriffe Adware oder spyware zu h&#246;ren und Berichte &#252;ber unehrliche Affiliates zu lesen, die diese Art von Software einsetzen. Viele Affiliates verwenden diese parasit&#228;ren Programme ohne das Wissen und vor allem das Einverst&#228;ndnis ihrer Werbekunden. Aber was genau ist Adware eigentlich? Warum ist diese Werbeform auch f&#252;r Werbekunden von Nachteil und wie kann man sie bek&#228;mpfen? Haben Werbekunden &#252;berhaupt ein Interesse daran, die Verwendung von Adware zu beschr&#228;nken? Und wenn diese interessiert sind, k&#246;nnen sie auf die Hilfe der Partnerprogramm-Netzwerke z&#228;hlen?</p>
<p>Hallo. Mein Name ist Jeff Molander. Vor kurzem besuchte ich Ben Edelman an der Havard University. Ben ist einer der f&#252;hrenden Adware-Experten und -Berater. Zu Beginn fragte ich Ben, wie einfach es f&#252;r eine Person von der Stra&#223;e w&#228;re, Affilliate zu werden und mit Adware Firmen, die ihre Software auf den Computern ahnungsloser Verbraucher installiert haben, Gesch&#228;fte zu machen. Dar&#252;ber hinaus wollte ich wissen, wie Adware eigentlich eingesetzt wird.</p>
<p><strong>Ben Edelman:</strong> Es ist heutzutage verdammt einfach Adware-Werbung zu kaufen. Man braucht nur auf www.metricsdirect.com, die Verkaufsseite von 180solutions &#8211; jetzt Zango, zu gehen und einen neuen User-Account anzulegen, wie man es zum Beispiel auch bei Hotmail machen w&#252;rde. F&#252;r die Bezahlung tr&#228;gt man seine Kreditkartennummer ein und l&#228;dt den Account mit 10 Dollar auf und schon kann man die ersten Anzeigen schalten.</p>
<p>Dadurch k&#246;nnte man zum Beispiel auf folgende Idee kommen. Man ist selbst ein Dell Affiliate und &#252;berlegt sich, dass Leute die einen Dell kaufen m&#246;chten auch auf den Seiten des Mitbewerbers Gateway zu finden sind. Also lasse ich 180solutions meinen Dell Affiliate Link auf den Seiten von Gateway.com einblenden und hoffe, dass jemand &#252;ber diesen Link einen Dell bestellt. Daf&#252;r bekomme ich dann Geld, meine 2% Provision f&#252;r die Vermittlung. Auf diesem Weg findet Dell auf einmal die eigene Seite in einem Popup, wenn ein User auf die gateway.com Seite geht. Auch wenn Dell selbst Adware und Spyware verabscheut und seinen Affiliates die Verwendung solcher Programme verbietet. Nichts desto trotz ist dieses Vorgehen g&#228;ngige Praxis, dass ein Dell-Affiliate 180solutions damit beauftragt, die Dell-Seite einzublenden, wenn ein User die Seite von Gateway aufruft. Das ist ein einfaches Beispiel f&#252;r den Einsatz von Adware.</p>
<p><strong>Jeff Molander: </strong>Das klingt so simple. Fast so einfach wie der Kauf von Adwords-Werbung bei Google.</p>
<p><strong>Ben Edelman: </strong>Es ist wirklich so einfach. Es k&#246;nnte sogar etwas einfacher sein. Google verlangt ein paar Schritte mehr. Man muss Google mitteilen f&#252;r welche Keywords die Werbung erscheinen oder nicht erscheinen soll und in welchen Teilen der Welt die Anzeige eingeblendet werden soll. 180solutions bietet diese Auswahlm&#246;glichkeiten nicht und so muss man weniger Fragen beantworten. Man braucht ihnen nur seinen Namen und das Geld zu geben und dann kann man schon die Anzeige bereitstellen und die Bedingungen festlegen unter denen die Anzeige erscheinen soll. Das w&#228;re es aber auch schon.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Na gut. Kann das System f&#252;r Dell auch nachteilig sein und Dell auf der anderen Seite selber gar Schaden zuf&#252;gen?</p>
<p><strong>Ben Edelman: </strong>Ich habe ja gerade das einfache Beispiel genannt, dass ein Dell-Affiliate seinen Dell-Affiliate-Link einblenden l&#228;sst, wenn man auf die Seite von Gateway geht. Viel schlimmer sind die Affiliates, die ihren Dell-Affiliate-Link einblenden lassen, wenn der User auf die Dell-Seite geht.</p>
<p>Der Affiliate beauftragt Direct Revenue, die Adware-Anzeigen auf Pay-per-View-Basis verkaufen, &#252;ber ihre Webseite. Der Dell-Affiliate sagt Direct Revenue, dass sie ein Popup mit seinem Affiliate-Link einblenden sollen, wenn der User auf die Dell-Seite geht oder, genauer gesagt, auf die Bestellabwicklungsseite von Dell. Warum macht man so etwas? Nun, im Gegensatz zum Dell-Gateway-Beispiel, muss der User hier nicht mehr davon &#252;berzeugt werden einen Dell anstatt einem Gateway zu kaufen. Der User ist sich hier h&#228;ufig sicher, dass er einen Dell kaufen m&#246;chte. Er hat sich ja schlie&#223;lich bis zur Bestellabwicklungsseite durchgeklickt. Etwa 40 % der Leute, die diese Seite erreichen bestellen auch bei Dell. Das ist ein netter Wert, zumindest aus der Sicht des Affiliates. Wenn der Affiliate seinen Cookie mit dem Affiliate-Code gesetzt bekommt, bevor der User seine Kreditkartennummer eingegeben hat und danach den Kaufvorgang abschlie&#223;t, bekommt der Affiliate seine Provision. 2 % des Kaufpreises wandern direkt in die Tasche des Affiliates. Das kommt schon sehr nahe an die eigene Gelddruckerei im Keller heran, denn wir wissen ja, dass 40 % der User, die die Bestellabwicklung erreichen, auch einen Dell kaufen. In diesem Beispiel erh&#228;lt der Affiliate also eine 40 % Chance auf 2 % des Wertes eines neuen Dells, der etwa 1.000 Dollar kostet und muss daf&#252;r wenige Cent an Direct Revenue bezahlen. Wir reden also &#252;ber eine 40-Prozentige Chance 20 Dollar zu verdienen, die man f&#252;r eine Ausgabe in H&#246;he von 1 Cent f&#252;r die Anzeige erh&#228;lt. Ein wirklich lohnendes Gesch&#228;ft, auch wenn es nat&#252;rlich gegen alle Regeln verst&#246;&#223;t.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> W&#228;hrend ich mit Ben Edelman sprach, wollte ich unbedingt einige Sachen verstehen. Ich wollte wissen, welche Regeln Affiliates verletzen, wenn sie Adware benutzen. Warum dulden es Merchants und tats&#228;chlich auch Partnerprogramm-Netzwerke, dass ihre Affiliates verbotene Adware verwenden? Warum ist es so, dass die Merchants keine M&#246;glichkeit haben gegen die Affiliates, die ihren Ruf sch&#228;digen und sie viel Geld kosten, vorzugehen? Zu Beginn des Interviews hatte Edelman den bekannten Anzeigenprovider Direct Revenue in einem Beispiel f&#252;r die Verwendung von Popups durch Affiliates genannt.</p>
<p><strong>Ben Edelman: </strong>Auf der einen Seite installiert sich die Software von Direct Revenue ohne das Einverst&#228;ndnis des Computerbesitzers. Anzeigen, die dar&#252;ber generiert werden, sind kein den Regeln entsprechender Platz f&#252;r die Einbindung von Affiliate-Links. Zweitens: Die Affiliate-Links, die so aufgerufen werden, sind keine verg&#252;tbaren Klicks, die den User von der Seite des Affiliates zur Seite des Merchants leiten. So k&#246;nnen keine verg&#252;tbaren Leads entstehen. Es handelt sich dabei um so genannte Forced Clicks, die man als Affiliate nicht verwenden sollte. Drittens: Wenn ein anderer Affiliate den Kunden zu Dell geschickt hat, &#252;berschreibt der Affiliate, der Adware verwendet, den Cookie des ehrlichen Affiliates und klaut ihm seine Provision. Das ist nat&#252;rlich auch nicht erlaubt. Die r&#228;uberische Praxis des &#220;berschreibens der Affiliate Cookies und auch der Kauf von Traffic Dritter, in diesem Fall Direct Revenue, ist nach den Commission-Junction-Richtlinien verboten. Es werden viele grundlegende, aber auch vom Merchant aufgestellte, Regeln gebrochen. Dell verbietet die Verwendung von Adware in seinen Richtlinien, so wie es viele Merchants machen. Das sind bis jetzt allerdings nur Lippenbekenntnisse. Die Regeln zu Papier zu bringen oder sie auf der Webseite zu ver&#246;ffentlichen, stellt nicht sicher, dass sich auch jeder daran h&#228;lt. Affiliates werden das tun, was sie wollen bis ihnen einer auf die Finger schaut und daf&#252;r sorgt, dass sie das machen, was man von ihnen erwartet.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Also die Einhaltung der Regeln? Wozu Regeln aufstellen, wenn die Einhaltung der aufgestellten Regeln nicht kontrolliert wird? Ich habe mich entschlossen, Edelman zu fragen, warum Merchants den Eindruck der Selbstzufriedenheit machen und sogar Affiliates akzeptieren, die die Regeln in so schamloser Art und Weise brechen. Es sieht fast so aus, als w&#252;rden sie Adware nur als einen weiteren Kostenfaktor f&#252;r Internetgesch&#228;fte betrachten.<br />
<strong><br />
Ben Edelman:</strong> Es sieht so aus, dass viele Merchants fr&#252;her bereit waren, diese Probleme als Teil der Kosten ihres Internetgesch&#228;fts zu betrachten. Ich denke, hier geht es um etwas mehr als die Kosten f&#252;r Internetgesch&#228;fte, die wenn man es richtig betrachtet die Kosten f&#252;r den Betrug durch Affiliates darstellen. Das k&#246;nnen wir abstellen, wenn wir uns dem Problem nur erstmal annehmen. Das Urteil reflektiert, wie einfach oder schwer der Missbrauch durch Adware zu stoppen ist, was es kosten w&#252;rde und welche Vorteile sich daraus ergeben w&#252;rden. Man muss sehen, in welche Richtung die Entwicklung geht. Das Thema muss diskutiert werden. Viele Merchants haben tats&#228;chlich noch nicht entdeckt, wie gro&#223; der Schaden durch Adware ist.<br />
<strong><br />
Jeff Molander: </strong>Was uns Edelman versucht mitzuteilen: Merchants und besonders ihre Marketingabteilungen haben sich dazu entschlossen, zum Teil, die „nichts h&#246;ren und sehen“-Taktik bei Affiliates anzuwenden, die eventuell Adware verwenden.<br />
<strong><br />
Ben Edelman:</strong> Ja. Es gibt einige ernste Gr&#252;nde, die bei vielen Merchants im Weg stehen. Der typische Affiliate Manager ist kein Polizist, Rechtanwalt und auch nicht unbedingt ein Computerfachmann. Das ist die Werbebranche und die geeignete Besetzung f&#252;r den Job des Affiliate Managers war und ist, glaube ich pers&#246;nlich, jemand mit viel Erfahrung im Marketing, der wei&#223; wie man ein Produkt an den Mann bringt. Das ist es, was ein Affiliate Manager k&#246;nnen muss. Der Job &#252;ber den ich rede, ist das Aufsp&#252;ren von betr&#252;gerischen Affiliates. Es ist nicht unbedingt ein Marketing-Job. Man versucht eher weniger als mehr zu verkaufen. Zumindest was den Bereich des Affiliate Marketings angeht. Man versucht, sein Programm zu verkleinern anstatt es zu vergr&#246;&#223;ern, um den Anteil der durch Adware entstandenen Positionen. Am Ende eines Quartals kann sich das Volumen verkleinert anstatt vergr&#246;&#223;ert haben, weil man feststellt, dass fr&#252;her Auszahlungen unn&#246;tigerweise gew&#228;hrt wurden.</p>
<p>Herauszufinden, wer was wann tut, ist harte Arbeit. Dabei muss man sich verschiedene Systeme anschauen, auch solche auf denen die schleimigste und gef&#228;hrlichste Spyware, Adware und anderer M&#252;ll installiert ist. Das ist mit Sicherheit nicht eine der Lieblingst&#228;tigkeiten des Marketingpersonals. Wo f&#252;hrt uns das hin? Ich bin mir nicht sicher. Man k&#246;nnte jemanden f&#252;r diese Aufgaben anheuern. Die ganze Sache auf sich beruhen lassen. Ein Insider k&#246;nnte die Aufgabe &#252;bernehmen. Man k&#246;nnte seine IT-Abteilung mit der Aufgabe betrauen. Es gibt viel Wege f&#252;r die L&#246;sung des Problems. Aber es ist einfacher das Problem zu ignorieren: Ich habe momentan keine Zeit daf&#252;r und werde mich im n&#228;chsten Quartal dem Problem widmen. Man kann immer noch eine ganze Menge Merchants sehen, die diesem Ansatz folgen.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Wie versprochen befrage ich Ben noch zu weiteren Themen. Ich war mir nicht ganz sicher, wie er &#252;ber die Partnerprogramm-Netzwerke selbst denkt. Geh&#246;rt es zu ihren Aufgaben gegen&#252;ber den Merchants betr&#252;gerische Affiliates zu entdecken? Ist es fair gegen&#252;ber den Netzwerken ihnen die Aufgabe zu &#252;bertragen, die Einhaltung der Regeln durch die Affiliates zu &#252;berwachen? Ich m&#246;chte verstehen was Partnerprogramm-Netzwerke tun, um Affiliates zu finden, die Adware benutzen und wie sie sie bestrafen. Deshalb fragte ich Ben danach. Welchen Anteil haben die Netzwerke daran, betrachten sie die Situation doch aus einer anderen Perspektive, bei der sie ihre eigenen Zahlen im Auge haben?</p>
<p><strong>Ben Edelman: </strong>Man kann einige dieser Ans&#228;tze tats&#228;chlich beobachten. Wenn man der Affililiate Manager bei einem gro&#223;en Merchant ist und seinem Chef erkl&#228;ren m&#252;sste, dass 30 % der Ausgaben der letzten f&#252;nf Jahre auch gleich in den M&#252;ll h&#228;tten wandern k&#246;nnen. Das d&#252;rfte einige Fragen bei Ihnen und Ihrem Boss aufwerfen. Zum Beispiel was Sie die letzen f&#252;nf Jahre gemacht haben. So ein Gespr&#228;ch w&#252;rde ich mit meinem Chef nicht besonders gerne f&#252;hren m&#252;ssen. Ich kann die Angst der Leute in dem Punkt durchaus nachvollziehen.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Vielleicht haben einige Netzwerke selbst gedacht, dass die Affiliate-Programme sehr effektiv sind, obwohl sie es in Wirklichkeit &#252;berhaupt nicht sind. Jetzt, wo sie es besser wissen, haben sie Angst davor klar Schiff zu machen, weil es ihre Performance-Matrix dr&#252;cken w&#252;rde. Eindeutig brauchen die Merchants Hilfe. Und wie ich im Internet Retailer Magazine gelesen habe, sollen die Netzwerke helfen. Richtig? Was besch&#228;ftigt Netzwerke eigentlich t&#228;glich? Ich dachte mir: Wenn es irgendwer wei&#223;, dann Ben.</p>
<p><strong>Ben Edelman: </strong>Man wei&#223; nie wirklich was sie machen. Sie behandeln das Thema, wie sie Betr&#252;ger &#252;berf&#252;hren und stoppen, wie ein Staatsgeheimnis. Aus ihrer Sicht mag ihr Handeln schon einen Sinn ergeben. Wenn ihr Vorgehen bekannt w&#228;re, k&#246;nnten die b&#246;sen Jungs ihre Methode dahingehend optimieren und w&#228;ren noch erfolgreicher beim Betrug. Allerdings glaube ich nicht an die unsichtbare Sicherheit. Wenn es einige Fehler bei Windows gibt, ist die L&#246;sung f&#252;r Microsoft nicht, sie geheim zu halten und f&#252;r uns zu hoffen, dass kein b&#246;ser Junge sie entdeckt. Stattdessen m&#252;ssen wir uns eingestehen, dass die b&#246;sen Jungs intelligent genug sind, um jeden Fehler zu finden und ihn komplett auszunutzen. Es sei denn man beseitigt den Fehler vollst&#228;ndig. Wenn die Partnerprogramm-Netzwerke an ihrer Strategie festhalten, aus ihrer Strategie ein Geheimnis zu machen wird es einfach nicht funktionieren. Hier geht es um eine Menge Geld. Die b&#246;sen Jungs sind intelligent und werden herausfinden wo der Hund begraben liegt, welche Schlupfl&#246;cher offen stehen und welche Tricks funktionieren. Sie werden weiter verdienen. Daf&#252;r w&#252;rde ich meine Hand ins Feuer legen.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Aha. So l&#246;st Microsoft seine Probleme. Ben hat einen guten Ansatz gefunden. Aber soweit ich wei&#223;, vertrauen Kunden den Partnerprogramm-Netzwerken. Ist das nur ein Trick oder bek&#228;mpfen sie das Problem wirklich? Was machen eigentlich die Qualit&#228;tsmanager bei den Netzwerken, wenn sie ins B&#252;ro kommen?</p>
<p><strong>Ben Edelman:</strong> Ich glaube, dass die Netzwerke heute verschiedene Methoden anwenden. Sie haben wahrscheinlich ein paar Rechner, die mit Spyware infiziert sind und testen ein wenig per Hand. Ungef&#228;hr so wie ich es mache. Commission Junction hat &#246;ffentlich bekannt gegeben, dass sie sich die Time Stamps anschauen und sie vergleichen. Wenn ein User zu Dell kommt und 15 Sekunden sp&#228;ter &#252;ber einen anderen Affiliate-Link zu Dell kommt ist der zweite Affiliate-Link schon mal verd&#228;chtig. Es k&#246;nnte eine Art von Adware sein, die den Klick ausgel&#246;st hat.</p>
<p>Das ist gro&#223;artig. Es wird ein Teil der Probleme l&#246;sen. Aber wir sind noch weit weg von der L&#246;sung des gesamten Problems. Damit findet man keine Spyware oder Adware, die den Aufruf der Dell-Seite &#252;ber einen Affiliate-Link umleitet. Auch Systeme, die auf die Bestellseite umleiten und eine willk&#252;rliche Verz&#246;gerung beinhalten sind so nicht zu entdecken. Es l&#228;sst sich nur ein bestimmter Teil des Problems damit l&#246;sen und wir wissen es. Commission Junction hat damit einen anst&#228;ndigen Teil eines bestimmten Problems &#8211; der sich beim Erreichen der Merchant-Seite selbst &#246;ffnenden erzwungenen Klicks &#8211; gestoppt. Andere Probleme hat Commission Junction noch nicht in Angriff genommen. Wohl bekannte Adware-Programme, die Klicks nicht bei der Ankunft generieren, sondern vorher oder auf der Bestellseite, scheinen bei Commission Junction gr&#246;&#223;tenteils in Vergessenheit geraten zu sein.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Da sich ein Merchant nicht zu 100 % darauf verlassen kann, dass sein Partnerprogramm-Netzwerk problematische Affiliates ausschlie&#223;t: Gibt es andere M&#246;glichkeiten? W&#228;re eine Regelung angebracht und wenn, welche w&#252;rde das sein? Was w&#228;re das Ziel dieser Regelung?<br />
<strong><br />
Ben Edelman:</strong> Eine Regelung w&#228;re der richtige Ansatz, den man im Hinterkopf haben sollte. Finanzdienstleister hatten schon einmal genau diese Probleme. Ein Geldweiterleitungsnetzwerk bei dem die Leute ein Konto bei einem Broker hatten und das Geld zu einem anderen Broker schickten und dann zu einer Bank und dann auf ein Auslands-Konto und zu noch einer Bank. Man wusste nie wo das Geld landen w&#252;rde. Ein sehr ernstes Problem bei Ermittlungen, wobei man Geld nat&#252;rlich schlecht tracken kann. Das f&#252;hrte zu einem Erlass der Regierung, der festlegte, was Kunden sind. Hier handelt es sich eindeutig um Affiliates. Was tun sie um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Warum zahlen wir den Kerlen 10.000 oder 2.000 Dollar im Monat? Was tun sie daf&#252;r? Wo erscheinen Ihre Anzeigen? Das sind alles ganz einfache Fragen. Wir zahlen f&#252;r die Werbung. Wo und wie wurde unsere Werbung gezeigt? Wir m&#246;chten ein paar Beweise daf&#252;r sehen.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Ben spricht hier tats&#228;chlich die Transparenz an. Das ist etwas, dass Merchants bei ihren Affiliate Programmen sehr wichtig zu sein scheint. M&#246;glicherweise liegt dies an der negativen Nebenbedeutung, die mit ihnen im Vergleich zum Kauf von Traffic bei einer Marke wie Google oder Yahoo, assoziiert wird. Merchants scheinen es zu lieben, Besucher, &#252;ber die sie nicht wissen, wo sie her kommen, dort zu kaufen. Doch was kann ein Merchant wirklich tun, um etwas Transparenz zu bekommen? Das Gef&#252;hl, dass die Nutzung von Adware bei seinen Affiliates unter Kontrolle ist. Was k&#246;nnen Sie als Bewusstsein f&#252;r das Problem vorweisen, falls Sie verklagt werden sollten? Die Worte sind bekannt: Welche Ma&#223;nahmen k&#246;nnen wir jetzt ergreifen, um uns f&#252;r morgen zu sch&#252;tzen?</p>
<p><strong>Ben Edelman:</strong> Man k&#246;nnte verlangen, dass jeder Affiliate, der vierstellige Einnahmen im Monat erzielt, Screenshots vorlegen muss, die seine Arbeit dokumentieren. Nicht nur einfache Screenshots, sondern aussagekr&#228;ftige Screenshots. Alle Affiliates, die mehr als 1.000 Dollar verdient haben, m&#252;ssen ein webbasiertes Formular ausf&#252;llen, ein Fax oder Brief senden mit dem sie bescheinigen, keine Adware zu verwenden. Lasst es sie auf ein Blattpapier schreiben, dass sie keine Spyware oder Adware verwenden. Das sind keine komplizierten Vorg&#228;nge, auch wenn sie auf den ersten Blick &#252;bertrieben erscheinen m&#246;gen. Eine 29-Cent-Briefmarke hat noch niemanden, im Tausch f&#252;r eine 1.000-Dollar-Provisionszahlung in dem Monat, umgebracht.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Na gut. Affiliate Manager – haltet eure Notizbl&#246;cke bereit &#8211; denn nun kommt der Teil, wo Ben ein paar Taktiken ausspuckt.</p>
<p><strong>Ben Edelman: </strong>Merchants k&#246;nnen einschl&#228;gige Diskussionsforen besuchen, wo sich andere Merchants &#252;ber das Problem unterhalten oder entsprechende Artikel studieren. Halten sie Ausschau nach Unregelm&#228;&#223;igkeiten beim Traffic. Gro&#223;e Steigerungen k&#246;nnen auf Spyware hindeuten, aber auch eine andere Ursache wie die Schaltung von Anzeigen in Suchmaschinen haben. Achten sie auf Traffic ohne HTTP-Referrer.<br />
Wie ist es m&#246;glich, dass jemand 1.000 Dollar Provison kassiert, wenn der Umsatz nur 20.000 Dollar betrug und es keine zum Thema passende Webseite gab? Wo kam der Traffic her? Wenn es nicht von einer Webseite kam, kam es vielleicht von einer E-Mail? Kam der Traffic durch Spyware? Es l&#228;uft etwas eindeutig falsch, wenn nie ein Referrer auftaucht. So etwas sollte immer untersucht werden.</p>
<p><strong>Jeff Molander: </strong>Affiliate Manager sollen also die Affiliates nach ihren Methoden fragen, die diese als ihr Gesch&#228;ftsgeheimnis betrachten und riskieren, dass die Beziehung darunter leidet. Kurz: Die geheime Quelle f&#252;r den Erfolg des Affiliate durchleuchten. Ist es realistisch, Affiliate Manager damit zu beauftragen?</p>
<p><strong>Ben Edelman:</strong> Nat&#252;rlich werden einige Affiliates diese Prozedur nicht m&#246;gen. Als Affiliate Manager w&#228;re das auch nicht die Strategie, die ich als erstes ausw&#228;hlen w&#252;rde. Andererseits w&#252;rde ich bei Affiliates, bei denen ich Bedenken wegen fehlender Referrer, einer unlogisch aussehenden Webseite und nicht dazu passenden Referrern h&#228;tte, anders handeln. Wenn etwas nicht zusammen passt, sollte man der Sache auf den Grund gehen, bevor man ihnen einen vierstelligen Scheck schickt. Meiner Meinung nach ist das viel Geld. Man sollte immer daran denken, dass man das Geld nicht zur&#252;ckholen kann, falls sich herausstellt, dass man betrogen worden ist. Man k&#246;nnte es vorher herausfinden, was sie machen. Wenn eine Partnerschaft so etwas nicht aush&#228;lt, wof&#252;r bekommen sie den vierstelligen Scheck jeden Monat? Das ist nicht gerade wenig Geld in meinen Augen.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Ist es m&#246;glicherweise ein Teil des Problems wie Partnerprogramm-Netzwerke bezahlt werden? Ist gerade ein nur leistungsabh&#228;ngiges Modell die richtige Wahl, wenn es um Dokumentation, Aufzeichnung und Tracking geht? Ich habe Edelman gefragt, ob die Merchants nicht hier zu einem gewissen Grad den Fuchs das H&#252;hnerhaus bewachen lassen, gerade wenn man sich die Beweggr&#252;nde der Netzwerke anschaut.</p>
<p><strong>Ben Edelman:</strong> Es gibt hier zwei verschiedene Probleme. Das ist zum einem der Betrug der Affiliates durch die Merchants. Ein Merchant kann zum Beispiel weniger Sales verg&#252;ten als tats&#228;chlich gemacht wurden. Sie erz&#228;hlen dem Affiliate einfach nur von der H&#228;lfte seiner Sales. Sicher haben Sie uns tausend Leads geschickt, aber wir haben nur f&#252;nf Sales daraus realisieren k&#246;nnen, obwohl es eigentlich zehn waren. Oder sie geben nur 8.000 Dollar an, obwohl &#252;ber den Affiliate-Link Produkte im Wert von 15.000 Dollar verkauft wurden. Die Provision ist dann nat&#252;rlich doppelt falsch berechnet. Das ist f&#252;r die Affiliates nat&#252;rlich ein echtes Problem. Affiliates haben keine M&#246;glichkeit, das Problem beheben zu lassen, wie sollten sie es auch beweisen. Es w&#228;re eine einfache &#220;bung f&#252;r den Merchant, das Tracking-Pixel nur bei der H&#228;lfte der Aufrufe der Bestellseite einzublenden. Man kann also deutlich erkennen, dass Merchants in der Lage w&#228;ren Affiliates zu betr&#252;gen. Wenn dies das entscheidende Problem w&#228;re, macht die jetzige Regelung eine Menge Sinn, weil sie das Netzwerk damit beauftragt, die Interessen der Affiliates &#8211; bezahlt und nicht betrogen zu werden &#8211; gegen&#252;ber den Merchants zu vertreten.</p>
<p>Aber dieser Markt hat wie jeder eine andere Seite, die ebenfalls die M&#246;glichkeit f&#252;r Betrug bietet. Was ist, wenn die Affiliates diejenigen sind, die etwas B&#246;ses tun. Wir wissen, dass das Netzwerk die Interessen bei den Verhandlungen mit dem Merchant vertritt. Aber was ist mit den Interessen des Merchants gegen&#252;ber den Affiliates. Und genau hier liegt momentan das gro&#223;e Problem. Wir sehen ein finanzielles Interesse der Netzwerke bei den Ideen der verr&#252;ckten Affiliates mitzuspielen. Eines der konstruierten Beispiele mag sieben Regeln verletzen. Nichts desto trotz: Das Netzwerk verdient, wenn der Affiliate verdient und der Merchant „verliert“! Und so k&#246;nnte das Netzwerk, wenn es einer Sache auf den Grund geht, etwas langsamer sein als man gehofft hat.</p>
<p><strong>Jeff Molander:</strong> Es hat den Anschein, als wenn die Affiliates es geschafft h&#228;tten, den Merchants vorzugaukeln dass sie berechtigte Leads und Sales erhalten, auch wenn sie es nicht tun. Was kann man dagegen unternehmen? Kann das System repariert werden?</p>
<p><strong>Ben Edelman:</strong> Als Marktgestalter und &#214;konom schaue ich mir das ganze an und sage: Das ist ein Problem, dass wir tats&#228;chlich l&#246;sen k&#246;nnen. Wir k&#246;nnen es durch eine &#196;nderung der Vertr&#228;ge l&#246;sen. Wir m&#252;ssen Netzwerke f&#252;r beide Arten von Problemen verantwortlich machen. Bis jetzt machen die Netzwerke nur einen Verlust, wenn der Merchant die Affiliates betr&#252;gt, weil sie selbst nur dann Provision kassieren, wenn der Affiliate eine Provision erh&#228;lt.</p>
<p>Das Netzwerk sollte auch bezahlen und bestraft werden, wenn der Affiliate den Merchant betr&#252;gt. Was w&#252;rde das bedeuten? Man k&#246;nnte das System beispielhaft konstruieren und ich bin mir sicher, dass einige Merchants dar&#252;ber nachdenken w&#252;rden wollen. Wenn also einem Affiliate von irgendwem bewiesen werden kann, dass er den Merchant innerhalb der vorher festgeschriebenen Regeln betr&#252;gt, verliert das Netzwerk. Es muss den Merchant entsch&#228;digen. Das Netzwerk garantiert und steht mit seinem Namen f&#252;r die Ehrlichkeit, dass ethische Verhalten und die Einhaltung der entsprechenden Regeln durch seine Affiliates. Wenn man also einen Affiliate findet der tausend Dollar illegaler Provision kassiert hat und durch das Netzwerk bezahlt wurde, ist das Netzwerk verpflichtet, dem Merchant dieses Summe und seine Geb&#252;hren zu erstatten. Von dann kann sich das Netzwerk an den Affiliate halten, ob er in Missouri oder S&#252;dafrika sitzt, spielt dabei keine Rolle. Entweder man findet sie oder man findet sie nicht. Es w&#228;re das Problem des Netzwerks, nicht das des Merchants. Das w&#228;re der richtige Schritt, um die sehr hohen Geb&#252;hren von 30 % zu rechtfertigen. Man muss etwas tun. Wir erh&#246;hen den Wert f&#252;r den Merchant, indem wir versichern, garantieren und unseren Namen drunter setzen, dass es sich um vern&#252;nftigen Traffic handelt.</p>
<p><strong>Jeff Molander: </strong>An diesem Punkt, glaubt Edelman, besteht Hoffnung f&#252;r alle Merchants, die bereit sind die Folgen zu akzeptieren.<br />
<strong><br />
Ben Edelman:</strong> Wenn man Vertr&#228;ge wie in dem Beispiel oben h&#228;tte, w&#252;rde man ganz andere Versuche der Netzwerke sehen, den Betrug aufzudecken und zu kontrollieren. Das Netzwerk wird sich sehr ernsthaft der gr&#252;ndlichen Aufkl&#228;rung widmen. Man m&#252;sste nicht mehr 30 Tage warten oder 90 Tage Bearbeitungszeit akzeptieren. Man gibt ihnen eine Chance, ihr Problem in den Griff zu bekommen. Wir w&#252;rden Netzwerke erleben, die sich stark machen gegen Spyware, Cookie Stuffing oder Tippfehlerfarmen, eigentlich jede Art von Betrug. Werden die Netzwerke das umsetzen? Momentan fehlen ihnen die Gr&#252;nde, an sich zu arbeiten. Sie sagen lieber, solch ein Aufwand sei verr&#252;ckt. Wir w&#252;rden bei so etwas nie mitspielen. Andererseits k&#246;nnte sich das Bild bei wachsender Konkurrenz durch neue Netzwerke &#228;ndern. Wenn es sechs gro&#223;e Netzwerke geben w&#252;rde und nicht nur zwei oder drei, kann man davon ausgehen, dass solche Garantien kommen oder der Preis deutlich sinkt, damit Netzwerke ihr Geld nicht Hals &#252;ber Kopf verdienen, obwohl sie nicht viel mehr als nichts daf&#252;r tun. Ich glaube, dass es Platz f&#252;r die Hoffnung auf Besserung in den n&#228;chsten Jahren gibt.</p>
<p><a href="http://www.affiliate-radio.de/2006/08/10/affiliate-radio-012-interview-zu-adware-und-180solutions-jeff-molander-und-ben-edelman/">Audio-Version des Interviews auf Affiliate-Radio.de&#8230;</a></p>
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